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Stacheldraht und Scherben auf einer Mauer, die das Überqueren unmöglich machen

Anlässlich des Weltfrauentags 2022 fordern civi kune RLP, der Flüchtlingsrat RLP e.V. und SOLWODI Rheinland-Pfalz e.V. wirksameren Gewaltschutz und mehr Teilhabechancen für geflüchtete Frauen und Mädchen in Landesaufnahmestellen und kommunalen Unterkünften

Geflüchtete Frauen waren bislang in der Öffentlichkeit wenig sichtbar oder wurden lediglich als passive Begleiterinnen ihrer Männer wahrgenommen. Dieses Bild hat sich in den vergangenen Tagen grundlegend geändert. Sind es doch überwiegend Frauen, die seit dem kriegerischen Überfall auf die Ukraine mit ihren Kindern aus ihrem Heimatland fliehen.

Annika Kristeit, Referentin beim Flüchtlingsrat RLP e.V. macht sich Sorgen: „Ein Großteil der neuankommenden Frauen und Kinder werden in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden müssen. Viele kommunale Unterkünfte bieten jedoch nicht ausreichenden Schutz und auch kaum Privatsphäre. Engste räumliche Verhältnisse ohne Rückzugsmöglichkeit oder gar gemeinschaftlich genutzte Sanitärräume bieten keine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.“

Deutschland und damit auch Rheinland-Pfalz haben sich laut Istanbul-Konvention dazu verpflichtet, besonders geflüchtete Frauen und Mädchen vor Gewalt zu schützen. Das von der Landesregierung entwickelte Gewaltschutzkonzept bietet wichtige Rahmenbedingungen für die Unterbringung von Frauen und Mädchen im Asylverfahren. Eine ausreichende Umsetzung in den zentralen Erstaufnahmeeinrichtungen ist aber noch nicht durchgehend gewährleistet. Auch fehlt durch die monatelange Aufenthaltsdauer in diesen Einrichtungen der Zugang zu wichtigen Einrichtungen und ehrenamtlichen Unterstützer:innen. Dadurch werden Frauen und Mädchen tendenziell isoliert, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe werden massiv erschwert.

Das bestätigt auch Dr. Maria Decker, Vorsitzende von SOLWODI: „Wir beobachten oft, dass ohnehin schon traumatisierte Frauen durch die lange Zeit des Asylverfahrens, in denen sie häufig in prekären Unterkünften ohne angemessenen Schutz leben müssen, nachhaltig belastet werden. Die Frauen in den Unterkünften haben zudem „keine Stimme“, um auf ihre Bedürfnisse und Sorgen aufmerksam zu machen.“

Selbst wenn die Frauen nicht in Gemeinschaftsunterkünften, sondern dezentral in Kommunen untergebracht sind, ist es für sie schwierig, eigene soziale Netzwerke aufzubauen, Gwendolyn Albrecht-Fuseini, Referentin im Projekt civi kune RLP, weiß „Wenn sich dieser Wohnraum in abgelegenen Dörfern befindet, ist eine gute nachbarschaftliche Unterstützung wichtig, damit die Frauen ein eigenes soziales Netzwerk aufbauen können. Hauptamtliche Unterstützung durch Sozialarbeiter:innen gibt es gerade in ländlichen Regionen nicht flächendeckend. Ehrenamtliche, die früher noch in die Unterkünfte gingen und „aufsuchende Arbeit“ machten, haben sich vielfach zurückgezogen. Gefahrensituationen für die vulnerable Gruppe der Frauen werden dadurch gar nicht oder erst viel zu spät entdeckt.“ Gleichzeitig gibt es einen hohen Anspruch besonders an Frauen, die Kinder in das deutsche Regelsystem einzubinden, mit Kita, Schule und Freizeitgestaltung. Das können sie aber nur leisten, wenn sie Unterstützung bei dieser „Integrationsleistung“ vom ersten Tag an bekommen.

Die unterzeichnenden Organisationen fordern anlässlich des internationalen Frauentags die Umsetzung von Gewaltschutzkonzepten und eine größere Sensibilität der Behörden bei der Unterbringung von Frauen und Kindern. An die Zivilgesellschaft ergeht der Appell, weiterhin eine Offenheit bei Wohnraumangeboten für alle Schutzsuchenden, egal welcher Herkunft, zu zeigen, um die Situation bei der Unterbringung von Geflüchteten und insbesondere Frauen und Kindern zu entlasten.


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Schutz und Solidarität für Frauen und Mädchen auf der Flucht