Schreibmaschine mit einem Text, auf dem "Rassismus" steht.

Für die meisten Menschen in Deutschland geht es momentan viel mehr um eine politische Frage. Doch für die Menschen, die tagtäglich in der Schule, am Arbeitsplatz und in der U-Bahn als Menschen mit Migrationsgeschichte gelesen werden, geht es um viel mehr als das.

„“Menschen, die als Kinder von Einwanderern in Deutschland aufgewachsen sind, fragen sich, ob es für sie hier noch eine Zukunft gibt“, berichtet Staatsministerin Reem Alabali-Radovan, die sich in der Bundesregierung um Fragen zu Integration und Antirassismus kümmert. „Das ist beschämend für unser Land, gerade mit unserer Geschichte.“ Und die Grünen-Innenpolitikerin Misbah Khan sagt, dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte jeden Tag dafür kämpfen müssten, ein gleichberechtigter Teil unserer Gesellschaft zu sein. „Die menschenverachtenden Vertreibungspläne der AfD sind dabei eine zusätzliche psychische Belastung für die Betroffenen.““

Und die Situation für Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland ist nicht erst seit der Veröffentlichung des Berichts von Correctiv über die Vernetzung von rechtsextremistischen Aktivisten mit bestimmten Politikern belastend. „Der Alltagsrassimus ist eklatant gestiegen“, sagt die Sprecherin des Verband binationaler Familien und Partnerschaften, Carmen Colinas. Sie erzählt, wie beispielsweise die Menschen, die sich in dem Verband zusammengeschlossen haben, sich seit dem vergangenen Jahr zunehmend diskriminiert und bedroht fühlen. Gründe dafür sind unter anderem auch, dass über Migration hauptsächlich negativ gesprochen werden würde und das nicht nur von der politisch rechten Seite.

Es sei auf der einen Seite schön zu sehen, dass so viele Menschen in den vergangenen Tagen auf die Straße gegangen seien, um gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu demonstrieren, findet die Sprechererin des Verbands. Doch auf der anderen Seite entwickelt sich das Klima in der deutschen Gesellschaft schon seit einiger Zeit in eine ungute Richtung. Die Sozialwissenschaftlerin Zeynep Yanasmayan hat das Gefühl, dass die Politik den Versuch anstrebe, Deutschland weitesgehend unattraktiv für Zuwanderung zu machen. Gleichzeitig werden von der rechten Szene Pläne zur Vertreibung von Zugewanderten mit Begriffen wie „Remigration“ versucht zu beschönigen. Doch das neue „Rückführungsverbesserungsgesetz“ der Bundesregierung zeigt, dass die Beschönigung für harte Maßnahmen wie Abschiebungen auch in der Mitte des politischen Spektrums zu beobachten sind.

Rassistische Strukturen, Denkmuster und Ideologien gibt es überall in der Gesellschaft. „Die menschenverachtende Vorstellung, einige Menschen seien mehr wert als andere, sitzt tief“, sagt die Antirassismus-Beauftragte Alabali-Radovan. „Auch in der Politik haben wir viel zu lange die Augen davor verschlossen, rechten Narrativen nicht konsequent genug Einhalt geboten.“ Den gesamten Artikel gibt es hier beim Migazin zu lesen.

22.01.2024: Ist dieses Land weiterhin lebenswert für Menschen mit Migrationsgeschichte?