19.08.2025: 10 Jahre Ehrenamt – der Förderverein Flüchtlingshilfe Andernach e.V. stellt sich vor

Wie wurde Euer Verein gegründet und warum?

Der Verein entstand 2015 aus einer privaten Initiative im Zuge des Willkommenheißens der vielzähligen Flüchtlinge und war zunächst ein loser Verbund von hilfsbereiten Menschen um drei Gründerinnen. Sehr schnell allerdings wurden die Vorteile einer formalen Vereinsgründung deutlich und so wurde noch im gleichen Jahr der Eintrag in das Vereinsregister betrieben.

Was war Euer Ziel zu Beginn – und hat sich dieses Ziel im Laufe der Zeit verändert?

Anfangs ging es darum, den geflüchteten Menschen Sicherheit zu bieten, ihnen bei der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen zu helfen, etwa durch Bereitstellen von Nahrung, Bekleidung, Medikamenten und Gebrauchsgegenständen für die Unterbringung. Nachdem diese Grundbedürfnisse weitgehend durch staatliche Stellen befriedigt werden, sind wir heute überwiegend mit Hilfen zur Integration und rechtlichen Fragestellungen befasst.

Wie hat sich die gesellschaftliche und politische Lage auf Eure Arbeit ausgewirkt? Wie ist es heute?

Die breite Willkommenskultur in 2015/16 trug bis etwa 2017, als erste öffentliche Stimmen gegen die Aufnahme von Geflüchteten laut wurden. Damit ging ein deutlich spürbarer Rückgang im öffentlichen Interesse an unserer Arbeit einher. Das folgende Erstarken der AFD und das populistische Einschwenken der etablierten Politik auf rechte Argumentationsmuster machen unsere Arbeit zunehmend schwieriger, zumal sich der Trend zur Flüchtlingsabwehr in der jetzigen Regierungskoalition spürbar verstärkt.

Wie arbeitet ihr mit anderen Organisationen, Institutionen oder öffentlichen Stellen zusammen?

Der bereichernde Erfahrungsaustausch mit anderen Hilfeorganisationen über den Flüchtlingsrat RLP findet regelmäßig statt. Auf kommunaler Ebene mangelt es an verbindenden Strukturen.

Mit der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter, der Caritas – insbesondere dem PSZ, der VHS, den Kirchengemeinden und etlichen örtlichen Unternehmen stehen wir beispielsweise in regem Austausch. Dagegen lehnt die Stadtverwaltung eine strukturierte Zusammenarbeit ab. Ursächlich dafür sehen wir ein deutliches Fehl an konzeptionellen Vorstellungen zu Fragen der örtlichen Integrationspolitik, auf welches wir immer wieder hinzuweisen gezwungen sind.

Von wem habt ihr seit Eurer Gründung die meiste Unterstützung erhalten.

Von unseren Mitgliedern, von einem privaten Spender, einem örtlichen Unternehmen und der katholischen Kirche.

Welche Rolle spielt das Engagement von (ehemals) Geflüchteten selbst im Verein?

Leider so gut wie keine.

Welche Begegnungen, Aktionen oder Erfolge sind Euch besonders im Gedächtnis geblieben?

Diverse Veranstaltungen mit Geflüchteten, wie z.B. Besuche im Deutschen Museum in Bonn, Nachmittage im Kletterturm, Teilnahme an der Langen Tafel, die Auftaktveranstaltung zu den Andernacher Stadtgesprächen.

Was ist Euer Erfolgsrezept?

Beharrlichkeit und Zuwendung

Welche Vision habt ihr für die nächsten 10 Jahre – für Euren Verein und das Ehrenamt im Bereich Flucht & Migration?

Wir möchten Teil eines umfassenden, staatlich getragenen Integrationsmanagements sein, welches mit ausreichender Geduld der Aufnahmegesellschaft und den Geflüchteten mit ihren je eigenen Stärken und Entwicklungsbedarfen zum Integrationserfolg verhilft. Das alles möchten wir in einer europäischen Gemeinschaft erleben, die sich ihrer historischen, wirtschaftlichen und moralischen Verantwortung gegenüber der Not von Menschen auf der Flucht wieder bewusst ist und eine gerechte, menschenwürdige Migrationspolitik betreibt.  We have a dream …

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