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Wie wurde Euer Verein gegründet und warum?

Ende 2014 stiegen die Flüchtlingszahlen stark an. Wir wollten mit ein paar Leuten helfen, ein Willkommensnetz zu entwickeln, konkrete Hilfe zu leisten und Integration zu fördern.

Was war Euer Ziel zu Beginn – und hat sich dieses Ziel im Laufe der Zeit verändert?

Siehe unter Frage 1; das Ziel ist geblieben, verstärkt wurde aber das Ziel der Integration; verstärkt wurde auch:
– wir wollen in der Öffentlichkeit um Verständnis werben
– Vernetzung mit hiesigen Gruppierungen, Vereinen

Wie hat sich die gesellschaftliche und politische Lage auf Eure Arbeit ausgewirkt? Wie ist es heute?

Die gesellschaftliche Lage ist insgesamt schwieriger geworden. Allerdings machen wir hier in der Pellenz kaum negative Erfahrungen – weder mit den Geflüchteten noch mit der Bevölkerung.

Wie haben sich eure Arbeitsschwerpunkte mit der Zeit verändert?

Am Anfang war viel Sprachunterricht gefragt, viele Familien und Einzelpersonen brauchten „Paten“ – für Ämter, Ärzte usw, Fahrdienste machten einen großen Teil der Arbeit aus. Der Kontakt zu Vereinen und Gruppierungen wurde angeboten; Schwimmkurse, Freizeiten, Freizeitangebote  wurden organisiert.
Auch wenn heute der Sprachunterricht weitestgehend vom Staat übernommen wird, bieten wir ihn weiter an: für die, die noch keinen Sprachkursplatz haben, und für die, die neben dem staatlichen Kurs noch mehr/intensiver lernen möchten.
Eine wichtige Rolle spielte in all den Jahren  unser „Café der Kulturen“, das viele Jahre jeden Samstag 2 – 3 Stunden geöffnet hatte. Jetzt öffnen wir 2x im Monat, bieten Austausch, Kontakte, Formularhilfe u.a. – und Kaffee und Plätzchen.

Verändert hat sich die Situation auch dadurch, dass anfangs Hilfsorganisationen ihr Hilfenetz stark erweitert haben, die Hilfe wurde z.T. professionalisiert. Im Laufe der Jahre sind die hauptamtlichen Dienste wieder gekürzt worden.

Bemerkenswert ist, wie viele Geflüchtete ihre Angelegenheiten selbst regeln können. 
In unserem Einzugsbereich gibt es auch Nachbarschaftshilfe – auch ohne, dass Fremde werden Freunde dabei sind.
Geblieben sind allerdings einige Familien/Einzelpersonen, die weiterhin – z.T. auch nach vielen Jahren – noch Hilfe brauchen. Das können Hinweise/Verbindungen zu Arbeitsstellen sein, Auch Vermittlung (bzw. Hinweise) zu Beratung – auch psychologischer Beratung ist gefragt. Und wenn neue Personen kommen, ist es auch heute noch so, dass wir beim Ankommen helfen. Erste Anlaufstelle ist unser „Café der Kulturen“, das 2x/Monat für 2 Stunden geöffnet hat.

Wie arbeitet ihr mit anderen Organisationen, Institutionen oder öffentlichen Stellen zusammen?

Die Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Pellenz ist sehr gut. Das Jobcenter Andernach, die Flüchtlingskoordination Kreis Mayen-Koblenz, Caritasverband und Diakonisches Werk (Beratung) sind weitere gute Partner für uns. Da, wo es sich anbietet, weisen wir auf die örtlichen Vereine und Einrichtungen hin – und umgekehrt weisen wir diese auf die Geflüchteten hin.

Von wem habt ihr seit eurer Gründung die meiste Unterstützung erhalten.

  • Verbandsgemeinde Pellenz
  • Caritasverband Koblenz
  • Flüchtlingskoordination Kreis Mayen-Koblenz
  • einige Jahre auch das Bistum Trier (mit dem Willkommensnetz)

Welche Rolle spielt das Engagement von (ehemals) Geflüchteten selbst im Verein?

Dieses Thema wurde mehrfach aufgegriffen. Bis jetzt gibt es konkrete Hilfe bei konkreten Projekten (z.B. Weihnachtsmarkt Saffig); künftig wollen wir, wenn möglich, Geflüchtete mehr einbeziehen, vielleicht auch in Planung.

Gleichzeitig sehen wir, dass Geflüchtete sich gegenseitig helfen: bei Übersetzungen z.B., Transportfahrten usw. Manchmal laufen die Anfragen (z.B. von Kitas) über die Initiative, manchmal klären sie die Dinge auch einfach untereinander.

Welche Begegnungen, Aktionen oder Erfolge sind euch besonders im Gedächtnis geblieben?

  • – Das Café der Kulturen hatte an manchen Tagen bis zu 70/80 Besucher_innen – mit guter Stimmung.
  • – Der jährliche Tag des Flüchtlings im Rahmen der Interkulturellen Woche wurde von 2015 – 2018 gut angenommen; allerdings sanken dann die Besucherzahlen, Corona tat das übrige; zum 10-jährigen wollen wir die Tradition wieder aufgreifen.
  • – Das Friedenslicht aus Betlehem – eine Aktion der Pfadfinder – wird jedes Jahr um den 4. Advent bei einer kleinen Feier ausgeteilt – oft in Verbindung mit relgiösen Elementen, der Bitte und der Sehnsucht nach Frieden.

Was ist euer Erfolgsrezept?

  • – Wir sind nah bei den Leuten – und nehmen sie, wie sie sind. 
  • – es gibt sehr hohes persönliches Engagement.
  • – Die Ehrenamtlichen sind auch in anderen Gruppierungen, in den Orten und in der Öffentlichkeit bekannt/vernetzt.
  • – Gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung!

Welche Vision habt ihr für die nächsten 10 Jahre – für euren Verein und das Ehrenamt im Bereich Flucht & Migration?

Na, am liebsten hätten wir uns überflüssig gemacht, weil niemand auf der Welt mehr aus seiner Heimat fliehen muss. Das ist wohl utopisch. 

– Was sehr wünschenswert wäre, dass die Stimmung in unserer Gesellschaft wieder positiv gegenüber Migrant_innen wird – da arbeiten wir dran.

22.08.2025:10 Jahre Ehrenamt – die Initiative „Fremde werden Freunde“ stellt sich vor