Logo - Helferkreis Asyl Worms e.V.

Wie wurde Euer Verein gegründet und warum?

Der „Helferkreis Asyl Worms“ fand sich 2013 zusammen, um Mahnwachen wegen der 2 Schiffsunglücke bei Lampedusa (2013) zu organisieren und 2x wöchentlich das „Cafe International“, (einen offen Treffpunkt für Eingeborene und Geflüchtete) in Worms zu betreiben. Der Verein wurde 2016 als „gemeinnützig“ ins Vereinsregister eingetragen.

Was war Euer Ziel zu Beginn – und hat sich dieses Ziel im Laufe der Zeit
verändert?

Ziele waren und sind Informationsveranstaltungen zu „Fluchtursachen“, öffentliche Aktionen zur Asylpolitik, konkrete Unterstützung von Geflüchteten bei Leistungskürzungen, bei Konflikten wegen der Unterbringung, bei Sicherung des Bleiberechts.

Wie hat sich die gesellschaftliche und politische Lage auf Eure Arbeit ausgewirkt? Wie ist es heute?

Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen waren und sind– bis auf den kurzen „Sommer der Willkommenskultur 2015“ –durch Abschottung und Rassismus gegenüber Geflüchteten geprägt. Wir erleben seit 2016 immer wieder Ausgrenzung durch städtische Behörden, verbale Angriffe von Rechten bis hin zu Drohungen und Schmierereien an den Fenstern unsere Büros.

Wie haben sich Eure Arbeitsschwerpunkte mit der Zeit verändert?

Unsere Arbeitsschwerpunkte haben sich nicht verändert.

Wie arbeitet Ihr mit anderen Organisationen, Institutionen oder öffentlichen Stellen zusammen?

Wir arbeiten mit der Beratungsstelle des IB-Worms, der Caritas und der AWO, dem Somalischen Verein für Kultur und Integration, Kurdem e.V., sowie mit Initiativen gegen den Rechtsruck zusammen. Anlässlich der
„Wochen gegen Rassismus“ organisieren wir gemeinsam mit Geflüchteten Unterrichtsbesuche in drei Schulen. Vom Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration werden wir seit 2017 finanziell gefördert.

Von wem habt Ihr seit Eurer Gründung die meiste Unterstützung erhalten?

Die meiste Unterstützung haben wir vom „Initiativausschuss für Migrationspolitik RLP“, von Rechtsanwälten und von Mitgliedern der Härtefall-Kommission erhalten.

Welche Rolle spielt das Engagement von (ehemals) Geflüchteten selbst im Verein?

Die Hälfte unserer Vereinsmitglieder sind Geflüchtete, die als „Brückenbauer“ den Kontakt zu den jeweiligen Communities sichern, im Einzelfall bei der Beratung unterstützen.

Welche Begegnungen, Aktionen oder Erfolge sind Euch besonders im Gedächtnis geblieben?

Besonders erwähnenswert ist, dass wir zur Abschaffung des Catering-Essens in
den Flüchtlingsunterkünften beitrugen, dass wir die Zustände in 2 Flüchtlingsunterkünften öffentlich – bis zur Schließung einer Unterkunft – skandalisieren konnten, dass wir seit 2014 gegen 5 Leistungskürzungen, die weit über den Einzelfall hinausgingen, erfolgreich vorgingen, dass wir 36 Geflüchtete im Kampf ums Bleiberecht erfolgreich unterstützen konnten.

Was ist Euer Erfolgsrezept?

Die Kooperation und Einbeziehung von Geflüchteten auf gleicher Augenhöhe.

Welche Vision habt Ihr für die nächsten 10 Jahre – für Euren Verein und das
Ehrenamt im Bereich Flucht & Migration?

Wir fürchten, dass die deutsche und europäische Asylpolitik weiter verschärft wird und wir auf ziemlich einsamem Posten stehen. „Ehrenamtliche“ Tätigkeit muss sich an existenziellen Fragen der Geflüchteten orientieren, muss stärker politisiert werden und zu mehr öffentlichen Aktionen führen.



29.08.2025: 10 Jahre Ehrenamt – der „Helferkreis Asyl Worms“ stellt sich vor